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Wohnungen: „Die Stadt könnte mehr tun“. Ein Südfinder Artikel

Dreizler Immobilien Südfinder Artikel: Wohnungen: "Die Stadt könnte mehr tun".

Immobilienexpertin Selina Dreizler legt den „Ravensburger Marktbericht“ vor

Die Preise für gemietete und gekaufte Wohnungen oder Häuser im Raum Ravensburg sind exorbitant hoch. So viel ist bekannt. Zum ersten Mal hat eine Immobilienexpertin einen umfassenden Marktbericht veröffentlicht, der alle existierenden öffentlichen Angebote filtert und damit statistische Auswertungen erlaubt. Selina Dreizler findet, dass die Stadt noch an einigen Stellschrauben drehen könnte, um die Situation am Wohnungsmarkt zu verbessern. Sie rät außerdem: „Lassen Sie sich nicht von überteuerten Angeboten blenden“.

VON STEFANIE REBHAN

Südfinder Verlag

RAVENSBURG – Die Quadratmeterpreise in Ravensburg sind höher als in Heidelberg. Damit ist die Stadt eine der teuersten Städte Deutschlands, was das Wohnen angeht. Viele Bürger sind verwirrt. Welcher Preis für Immobilien ist laut aktueller Marktlage eigentlich realistisch? Wie viele Immobilien stehen noch zur Verfügung und wo liegen die? Diese und mehr Fragen versucht Selina Dreizler von „Dreizler Immobilien“ mit ihrem „Ravensburger Marktbericht“ zu beantworten.

Mit dem Marktdatenprogramm „IMV-Marktdaten“ konnte sie alle Immobilienangebote sowohl online als auch in den Printmedien filtern und auswerten. Während ihrer viermonatigen Recherche arbeitete Dreizler auch mit dem Gutachterausschuss zusammen. Dieser liefert ebenfalls Daten. Zusammengefasst lasse sich beispielsweise sagen, dass die durchschnittlichen Preise für Neubauwohnungen einen weiteren Höhepunkt erreicht haben. „Die Quadratmeterpreise belaufen sich zum Teil sogar auf bis zu 6000 Euro pro Quadratmeter“, heißt es im Marktbericht.

Entspannen wird sie die Lage erst einmal nicht. „Nach wie vor ziehen mehr Menschen nach Ravensburg als aus der Stadt weg. Es gibt viel mehr Nachfrage als Angebot und daran wird sich meiner Meinung nach mittelfristig nichts ändern“, sagt die 29-jährige Immobilienmaklerin. Klar, die Altstadt zählt zur Top-Wohnlage. Es folgen Sennerbad, Nordstadt, Andermannsberg, Südstadt und St. Christina. Zu den günstigsten Wohnlagen gehören Schmalegg, Alberskirch, Dürnast, Taldorf, Adelsreute und Hinzistobel.

Neben dem starken Zuzug sind es die niedrigen Zinsen, die die Preise für Immobilien in die Höhe schnellen ließen. Aber: Wird die Immobilienblase irgendwann platzen, wenn die Zinsen wieder steigen? Das ist eine der häufigsten Fragen, die Selina Dreizler gestellt werden. Sie antwortet: „Es gibt gar keine Blase und daher platzt sie auch nicht.“ Mittelfristig, glaubt sie, werden die Zinsen nicht maßgeblich steigen. Man müsse schon sehr, sehr viel neu bauen, um eine Blase zum Platzen zu bringen. Und das werde nicht geschehen.

Im Gegenteil, es gebe sogar noch Möglichkeiten für die Stadt, die Situation zu entspannen. Dreizler erklärt: „Es gibt einige leerstehende Immobilien, die früher für ein Gewerbe genutzt wurden. Würde man den Bebauungsplan umwandeln, könnte man daraus einige Wohnungen machen. Da stellt sich die Stadt quer.“ Ein weiteres Problem: Die Baugenehmigungsverfahren seien kompliziert und würden sich zum Teil sehr lange hinziehen. Dafür könne schon ein Baum sorgen, der nicht gefällt werden darf, obwohl ausreichend Baumausgleich angeboten wird. „Für den Bauträger ist das Projekt dann nicht mehr rentabel“, so Dreizler.

Umland müsste leichter erreichbar sein

Am schwersten haben es Familien mit Kindern, die eine Wohnung suchen. Die Immobilienmaklerin: „Eher wird jedes einzelne Zimmer einer Wohnung an Studenten vermietet als an eine Familie. Klar, damit macht man mehr Geld.“ Wäre die Erreichbarkeit im Umland von Ravensburg besser, könnten sich Familien dort niederlassen. Doch auch da müsste die Stadt mehr tun.

Wer eine Immobilie sucht, dem rät Selina Dreizler, sich nicht von den Preisen in den Angeboten blenden zu lassen. Oft werden Objekte bis zu 35 Prozent zu teuer angeboten. Diese werden dann auch nicht verkauft und schwirren solange im Netz umher, bis die Eigentümer den Preis realistisch anpassen. Trotz der Marktsituation würde Selina Dreizler in die Region investieren. Denn: Wenn überhaupt, werde es noch viele Jahre dauern, bis die Preise für Immobilien sinken.

Zur Person
Selina Dreizler aus Friedrichshafen ist DiplomImmobilienwirtin und Immobilienbewerterin DIA. Im Juni 2018 hat sich die 29-Jährige mit „Dreizler Immobilen“ in Ravensburg selbstständig gemacht. Mehr Infos: www.dreizlerimmobilien.de

Ein Artikel des Südfinder Verlags | www.suedfinder.de

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